Bildungsprozesse magmatischer Gesteine
Dekompressionsschmelzen
Adiabatische Aufschmelzung durch Druckreduzierung bei konstantem Temperaturgradienten. Dominant an mittelozeanischen Rücken und Hotspots, erzeugt basaltische Magmen durch partielles Schmelzen des Mantels.
Fluss-induziertes Schmelzen
Schmelzpunkterniedrigung durch Zugabe volatiler Komponenten, hauptsächlich H₂O und CO₂. Charakteristisch für Subduktionszonen, wo dehydrierende ozeanische Platten Fluide in den Mantelkeil freisetzen.
Kontaktschmelzen
Aufschmelzung durch lokale Temperaturerhöhung, typischerweise durch Intrusion heißer Magmen in kältere Krustengesteine. Erzeugt Anatexis und migmatitische Strukturen.
- Fraktionierte Kristallisation: Sequenzielle Abtrennung früh kristallisierender Minerale
- Assimilation: Aufnahme von Nebengestein in das Magma
- Magmamischung: Hybridisierung verschiedener Magmatypen
- Volatile Entgasung: Verlust flüchtiger Komponenten während des Aufstiegs
Magmakammer-Prozesse
Große Magmareservoirs ermöglichen ausgedehnte Differentiation durch Kristallisationsdifferentiation, Konvektion und Zonierung. Entwicklung komplexer Intrusionskomplexe.
Gangbildung
Magma-Intrusion entlang von Rissen und Schwächezonen erzeugt tabuläre Körper. Schnellere Abkühlung führt zu feinkörnigeren Texturen als in Plutonen.
Sill- und Laccolith-Bildung
Konkordante Intrusionen zwischen Schichtgrenzen. Thermische Metamorphose des Nebengesteins erzeugt charakteristische Kontaktmetamorphose-Aureolen.
- Lavafluss-Kristallisation: Oberflächliche Erstarrung erzeugt charakteristische Fließtexturen
- Explosive Fragmentierung: Gasexpansion zerstört Magma und erzeugt pyroklastische Materialien
- Quenching: Sehr schnelle Abkühlung führt zu glasigen Texturen
- Vesikulation: Gasexsolution erzeugt blasige Texturen in Laven
Nukleation und Wachstum
Kristallkeimbildung und -wachstum werden durch Übersättigung, Temperaturgradienten und Grenzflächenenergie kontrolliert. Bestimmt Korngröße und -verteilung.
Abkühlungsraten
Langsame Abkühlung begünstigt große Kristalle (plutonische Texturen), schnelle Abkühlung erzeugt feine Kristalle oder Glas (vulkanische Texturen).
Unterkühlung
Abkühlung unter den Gleichgewichts-Kristallisationspunkt erzeugt metastabile Zustände und kann zur Glasbildung führen.
- Element-Partitionierung: Verteilung von Spurenelementen zwischen Kristallen und Schmelze
- Isotopenfraktionierung: Massenabhängige Trennung von Isotopen
- Redox-Reaktionen: Oxidationszustand beeinflusst Mineralstabilität
- Volatile Sättigung: Löslichkeitsgrenzen für H₂O, CO₂, und andere flüchtige Komponenten
Experimentelle Petrologie
Hochdruck-Hochtemperatur-Experimente simulieren natürliche Bildungsbedingungen und testen thermodynamische Modelle.
In-situ Analytik
Mikrosonden-Analyse, Laser-Ablation und Ionensonden ermöglichen hochauflösende geochemische Charakterisierung.
Numerische Modellierung
Thermodynamische Modellierung und Fluiddynamik-Simulationen integrieren physikalische und chemische Prozesse.