Magmatische Gesteinstypen & Klassifikation

Systematische Klassifikation der aus Magma gebildeten Gesteine
Magmatische Gesteine entstehen durch die Kristallisation von Magma und zeigen eine systematische Variation in Textur, Mineralvergesellschaftung und geochemischer Zusammensetzung, die die Bedingungen ihrer Entstehung und Abkühlung widerspiegelt. Ihre Klassifikation basiert auf quantitativen petrographischen und geochemischen Kriterien.
🔥 Grundlagen magmatischer Gesteine
Magmatische Gesteine bilden eine der drei Hauptkategorien von Gesteinen und entstehen durch die Erstarrung und Kristallisation von Magma oder Lava. Ihre Eigenschaften werden durch die Zusammensetzung des ursprünglichen Magmas und die Bedingungen der Abkühlung bestimmt.
💡 Grundprinzip
Die Klassifikation magmatischer Gesteine basiert auf zwei Hauptkriterien: der Textur (Korngröße und -verteilung) und der mineralogischen Zusammensetzung, die zusammen die Entstehungsgeschichte des Gesteins enthüllen.
🧊 Texturelle Klassifikation
Die Textur magmatischer Gesteine spiegelt die Abkühlungsgeschichte des Magmas wider:

Plutonische (Intrusive) Texturen

Phanerische Texturen mit sichtbaren Kristallen (>1mm), entstanden durch langsame Abkühlung in der Tiefe. Beispiele: Granit, Gabbro, Diorit.

Vulkanische (Extrusive) Texturen

Aphanitische bis glasige Texturen durch schnelle Oberflächenabkühlung. Umfasst porphyrische, vesiculäre und glasige Varietäten.

Hypabyssale Texturen

Zwischentexturen von Subvulkaniten mit mittelgroßen Kristallen, entstanden in geringer Tiefe oder als Ganggesteine.

⚗️ Mineralogische Klassifikation
Die mineralogische Zusammensetzung magmatischer Gesteine wird durch die Chemie des ursprünglichen Magmas bestimmt:
QAPF-Diagramm: Das standardisierte Klassifikationsschema für plutonische Gesteine basiert auf den Modalanteilen von Quarz (Q), Alkalifeldspat (A), Plagioklas (P) und Foiden (F).
🏔️ Plutonische Gesteine
Plutonische Gesteine entstehen durch langsame Abkühlung von Magma in der Erdkruste und zeigen charakteristische grobkörnige Texturen:

Granit

Felsisches plutonisches Gestein mit Quarz, Alkalifeldspat und Plagioklas. Häufig mit Biotit oder Muskovit. Typisch für kontinentale Kruste.

Gabbro

Mafisches plutonisches Gestein, hauptsächlich aus Plagioklas und Pyroxen. Olivin kann vorhanden sein. Häufig in ozeanischer Kruste.

Diorit

Intermediäres plutonisches Gestein mit Plagioklas und Hornblende. Wenig oder kein Quarz. Typisch für Subduktionszone-Magmatismus.

🌋 Vulkanische Gesteine
Vulkanische Gesteine entstehen durch schnelle Abkühlung von Lava an der Erdoberfläche:

Basalt

Mafisches vulkanisches Gestein, das häufigste vulkanische Gestein der Erde. Besteht hauptsächlich aus Plagioklas und Pyroxen in feinkörniger Matrix.

Andesit

Intermediäres vulkanisches Gestein, typisch für Subduktionszonen-Vulkanismus. Charakteristische Porphyrtextur mit Plagioklas-Einsprenglingen.

Rhyolith

Felsisches vulkanisches Gestein, oft mit Fließtexturen. Kann glasige bis kristalline Grundmasse aufweisen. Hoher Kieselsäuregehalt.

💎 Spezielle Texturen
Magmatische Gesteine können verschiedene spezielle Texturen entwickeln, die spezifische Bildungsbedingungen anzeigen:
🔬 Moderne Klassifikationsmethoden
Aktuelle Ansätze zur Klassifikation magmatischer Gesteine nutzen fortschrittliche analytische Techniken:

Geochemische Klassifikation

TAS-Diagramm (Total Alkali vs. Silica) für vulkanische Gesteine, basierend auf Hauptelementchemie.

Spurenelementgeochemie

Diskriminationsdiagramme für tektonische Umgebung und Magmagenese-Prozesse.

Isotopensystematik

Radiogene und stabile Isotope zur Bestimmung von Magmaquellen und Prozessen.

🔍 Identifikationsherausforderungen
Die Identifikation magmatischer Gesteine erfordert oft die Kombination von Feldbeobachtungen, petrographischer Mikroskopie und geochemischer Analyse, insbesondere bei verwitterten oder metamorph überprägten Proben.
🌍 Geologische Bedeutung
Magmatische Gesteine sind entscheidend für das Verständnis von:
📊 Praktische Anwendung
Die systematische Klassifikation magmatischer Gesteine ist fundamental für geologische Kartierung, Ressourcenexploration, Umweltbewertung und das Verständnis der Erdgeschichte. Moderne digitale Datenbanken und GIS-Systeme integrieren diese Klassifikationen in globale geologische Frameworks.